EINE DOKUMENTATION
Ansicht der Bahnstation Offenburg von der Straßenseite aus gesehen © Copyright 2000 - 2021 Burkhard Thiel Alle Rechte vorbehalten
Bau und Streckeneröffnung Der Großherzog Leopold von Baden machte die Vorgabe, dass die Strecke nach Basel „möglichst nahe am Gebirge“ gebaut werden soll. Das erklärt den „Schlenker“, den die Strecke bei Freiburg macht. Auch bei Offenburg gab es eine ähnliche, wenngleich deutlich kleinere Abweichung zur Planung. Am 1. Juni 1844 eröffneten die Großherzoglich Badische Staatseisenbahnen (BadStB) die Teilstrecke der „Rheintalbahn“ zwischen Karlsruhe und Freiburg und gleichzeitig die Stichbahn nach Kehl. Am 1. August 1845 fuhr der erste offizielle Zug von Karlsruhe nach Freiburg. Das erste Stationsgebäude plante Friedrich Eisenlohr in einer kleineren Version des Karlsruher Bahnhofs (ähnlich dem Gebäude von Hausach).

Das Empfangsgebäude Offenburg

Das symmetrische, im Stil des Klassizismus hergestellte Aufnahmegebäude (so wurde ein Stationsgebäude in Baden genannt) in Seitenlage wurde 1844 in Betrieb genommen. Das mehrgliedrige Gebäude besaß zwei Kopfbauten, die von einem traufenständigen, einstöckigen Gebäudeteil mit Satteldach verbunden waren. In der Mitte des Verbindungsbaus befand sich an der Orts- und Gleisseite ein Eingangsportal mit Uhrenturm. Die beiden zweistöckigen Eckbauten verfügten über ein flaches Walmdach. Das Erdgeschoss besaß hohe Rundbogenfenster und Türen, die Eckbauten im Obergeschoss hatten Rechteckfenster. Gurtgesimse (ein Gesims an Fassaden, das zwischen den Geschossen liegt), gliederte optisch die Stockwerke. Im Verbindungsbau gab es eine Schalterhalle mit Fahrkarten- und Gepäckschalter sowie Warteräume für die unterschiedlichen Wagenklassen, ein Bahnhofsrestaurant und weitere Diensträume. In den Obergeschossen der Eckbauten war die Dienstwohnung des Postmeisters in seiner Funktion als Bahnhofsvorstehers entstanden (In Baden oblag die Betriebsführung der Eisenbahn bis 1872 bei der „Großherzoglichen Badischen Oberpostdirektion“), im Erdgeschoss befanden sich weitere Diensträume. Die Gleisanlage bestand aus sechs Gleisen, davon zwei überdachte Bahnsteige und einer obligatorischen Drehscheibe. Eine Wagen- und Lokomotivremise sowie eine Lokstation gehörten ebenfalls zum Bahnhof. Weitere Streckeneröffnungen, Ausbauten oder Änderungen Der Bahnhof wurde zwischen 1865 und 1873 mehrfach umgebaut. 1883 vergrößerte die BadStB die mit elektrischem Licht ausgestattete Güterabfertigung. Zwei Stellwerksgebäude entstanden. Am 2. Juli 1866 wurde das 33,18 Kilometer lange Teilstück der „Schwarzwaldbahn“ bis Hausach eröffnet. Zwischen 1906 und 1913 begann die BadStB mit dem Umbau des Bahnhofs. Güter- und Personenbahnhof wurden getrennt. Es entstanden drei Bahnsteige und vier Gepäckbahnsteige, ein Ortsgüterbahnhof und ein Lokomotivbahnhof mit Werkstätten. Viele weitere Bahnhochbauten wie Wohnhäuser, Aufenthalts- und Übernachtungsgebäude kamen dazu. Ein Fachwerkgebäude im südlichen Bahnhofsteil diente als provisorisches Stationsgebäude. Ein neuer Rangierbahnhof ging in Betrieb. Das Ausbesserungswerk ging 1909 in Betrieb 1907 wurde der Rohbau des Stationsgebäudes fertiggestellt. Am 7. November 1909 wurde das endgültige Empfangsgebäude eröffnet. Das zweite Empfangsgebäude Das 1909 eröffnete mehrgliedrige, lang gestreckte, Stationsgebäude in Seitenlage besaß ein zweistöckiges und verputztes Eingangsgebäude mit Walmdach, das von jeweils einstöckigen Gebäudeteilen aus Schwarzwälder Sandstein mit Balustrade (oberer Abschluss der Außenwand über dem Dachrand) flankiert wurde. Dieser Gebäudeteil verfügte über große Rundbogenfenster. An deren Enden bildeten zweistöckige Putzbauten mit Walmdach und Rechteckfenster sowie Gurtgesimse (ein Gesims an Fassaden, das zwischen den Geschossen liegt) den Abschluss des Stationsgebäudes. Der Bahnhof verfügte über eine Güterabfertigung und gehörte 1938 zur Rangklasse I. Weitere Streckeneröffnungen, Ausbauten oder Änderungen Am 22. Juli 1918 wurde das Empfangsgebäude von Fliegerbomben getroffen, die den gesamten Mittelbau zum Einsturz brachte. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde er wieder aufgebaut, verlor jedoch sein ursprüngliches Aussehen. Bis zum 11. November 1923 war der Bahnhof französisch besetzt. Am 27. November 1944 wurde der Bahnhof erneut völlig zerstört. Im Juli 1945 wurde mit dem Wiederaufbau begonnen. 1956 montierte die Deutsche Bundesbahn (DB) zwischen Freiburg und Offenburg eine Oberleitung. 1959 kaufte die Stadt den Bahnhofsvorplatz. 1992 schloss das Ausbesserungswerk. 1994 wurden die Umladehallen geschlossen. Den Stückgutverkehr stellte die DB am 1. Mai 1997 ein. Im gleichen Jahr wurde ein elektronisches Stellwerk in Betrieb genommen, dass die alten Stellwerke ersetzte. Zwischen 2004 und 2009 sanierte die Deutsche Bahn AG (DBAG) die Bahnhofsanlage. Dabei entstand ein neuer Bahnsteig. Die Dachplatten der Bahnsteigüberdachungen wurden erneuert. 2013 entstand ein Fahrradparkhaus („Radhaus“). Es ersetzte die alte „Velobox“ im nördlichen Eckgebäude. Was hat sich verändert, was ist geblieben Durch die Veränderungen im Wiederaufbau nach den beiden Weltkriegen verblieb ein 200 Meter langes, ohne gestaltete Architektur und einem unübersichtlichen Empfangsgebäude der heutigen Zeit erhalten. Ein geplanter Umbau des Gebäudes ab Ende 2008 wurde trotz europaweiter Ausschreibung nicht weiterverfolgt.
Bilder Offenburg
Luftaufnahme
Bahnhof 1862
Bahnhof 1862 Mannheim - Konstanz Mannheim Hbf Konstanz Schwarzwaldbahn (Baden) Offenburg Singen (Hohentwiel) Offenburg - Kehl Offenburg - Kehl 159,13 Planung und Konzession
Die Eisenbahn “kam” am 1. Juni 1844 nach Offenburg. Also neun Jahre nach der Eröffnung der ersten Eisenbahn von Nürnberg nach Fürth 1835. Offenburg hatte zu diesem Zeitpunkt ca. 4.000 Einwohner (Ende 2020 waren es 60.388 Einwohner).

Bahnstation Offenburg